| Bele Bachem |
Ich hatte mich in einer Porträtklasse einschreiben lassen. Fiel bald meiner Fantasie wegen auf und bekam einen Extratisch, an dem ich ohne Korrekturen tun konnte was ich wollte. Ich bin mit einem eigenen Stil geboren - allem Suchen danach war ich enthoben. Die Presse entdeckte mich bald. So wurden schon in der Akademiezeit in Zeitschriften Bilder publiziert und der Verlag Woldemar Klein veröffentlichte eine Jahreszeitenserie, die es noch vor kurzem in Postkarten gab. Das war schön für mich. Ich bekam viele Aufträge, wurde überall eingeladen, und Falckenberg aus München holte mich zu einem Bühnenbild. Völlig ahnungslos ging ich daran. Es wurde ein Erfolg. Doch die Nazis mochten meine Arbeiten nicht, so wie ich die Nazis nicht mochte. Schnurstracks wurde jede Veröffentlichung verboten. Ich war damals 22 Jahre alt. Nach dem Krieg erinnerten sich die Intendanten wieder meiner. So machte ich in vielen Städten Bünenbilder. Man holte mich für Porzellan, ich illustrierte einen Unmenge Bücher (schrieb auch 2), machte Filmvorspanne, Plakate usw. Es ist, finde ich, kaum verständlich, daß ein Mensch, statt sich das Leben leicht zu machen, malt, denn über jedem Maler schwebt, unerreichbar hoch, die Kunstgeschichte mit Tintoretto, Greco, dem Riesen Michelangelo. Alle Weltuntergänge nahm Goya vorweg. Wie sollte man die stille Harmonie Vermeers erreichen oder Boticellis, Degas Strenge? Es gehört die Verwegenheit des Naiven dazu, das Malen zu wagen. Fantasie, Beobachtung, scharfe Kritik muß sein, etwas Philosophisches und eine große Portion Vitalität. Von Farb- und Raumgefühl nicht zu schweigen. Je länger man malt, desto mehr ist man Lehrling.
|